Google stoppt Federated Learning of Cohorts (FLoC) und ersetzt es durch Topics

Google stoppt Federated Learning of Cohorts (FLoC) und ersetzt es durch Topics

Was sich hinter dem neuen Projekt von Google verbirgt und warum der Konzern jetzt auf kontextbezogenes Targeting setzt.
von Usercentrics
15. Feb 2022

Cookies von Drittanbietern werden aussterben – da ist sich die Branche mittlerweile einig. Kein Wunder, basieren sie doch auf einer vergleichsweise veralteten Technologie, die nicht zuletzt immer wieder aufgrund ihrer invasiven Wirkung in Frage gestellt wird. In Zeiten zunehmender Besorgnis über den Online-Datenschutz und dessen Regulierung verwundert es also nicht, dass die Branche neue Möglichkeiten auslotet. Was nun letztlich ein adäquater Ersatz für Drittanbieter-Cookies sein wird, bleibt abzuwarten.

 

Eine Idee wird sich schon mal nicht durchsetzen: Googles Federate Learning of Cohorts (FLoC). Ende Januar 2022 gab der Konzern bekannt, dass es das Mitte 2021 angekündigte Projekt nicht weiterverfolgen wird. Kritikpunkte an FLoC waren mangelnder Datenschutz und Privatsphäre, auch Werbetreibende waren ebenfalls nicht begeistert von dem Konzept.

 

Mehr Information hierzu in unserem Artikel: Googles Federated Learning of Cohorts: Warum FLoC uns alle angeht

 

Google kündigte stattdessen ein neues Projekt an: Topics. Ein ebenfalls API-gesteuertes Aggregationsmodell, das die Interessen der Nutzer ermittelt, um sie gezielt mit Werbung anzusprechen.

Wie funktioniert Topics?

Wie FLoC wird auch Topics auf einem interessenbasierten Modell beruhen. Während die Nutzer im Internet surfen, erfasst der Browser ihre Interessen anhand der von ihnen besuchten Websites. Wichtig: Im Moment gilt dies nur für den Chrome-Browser, der allerdings fast 70 Prozent Marktanteil hat. Im Browserverlauf werden hierbei maximal 300 Interessen gespeichert. Nach drei Wochen werden diese gelöscht und komplett neu erstellt. Welche Art oder Menge von Informationen hierbei genau als „Interesse“ gelten, ist nicht ganz klar. Allerdings werden Informationen, die als „sensibel“ eingestuft werden, laut Google nicht erfasst.

 

Während bei FLoC die Browserverläufe der Nutzer verglichen und in Gruppen mit ähnlichen Interessen eingeteilt wurden, werden Nutzer bei Topics nach ihrem Verhalten kategorisiert.

 

Ein Beispiel: Bei FLoC wären Nutzer als Personen mit ähnlichen Interessen kategorisiert worden, weil sie die Website usercentrics.com besucht haben. Bei Topics werden Nutzer nach ihrem Verhalten kategorisiert, z. B. weil sie Artikel über das Thema Consent Management lesen, aber nicht, weil sie dies auf derselben Website tun.

 

Topics ähnelt demnach dem klassischen Contextual Targeting. Datenschützer äußern hier allerdings bereits die Befürchtung, dass auch bei Topics den Trackern von Drittanbietern mitgeteilt wird, welche Websites die Nutzer besuchen.

 

Google selbst weist darauf hin, dass Nutzer die Möglichkeit haben werden, Themen zu überprüfen und aus ihren Listen zu entfernen, und betont, dass die Funktionsweise von Topics stark von den Ergebnissen der FLoC-Tests und des Feedbacks der Browser-Nutzer beeinflusst wurde.

 

Sobald die Nutzer eine Liste ihrer Interessen erstellt haben, kategorisiert Google die anschließend besuchten Websites auf der Grundlage dieser Liste. Wenn die Themenliste noch nicht erstellt wurde oder Nutzer eine nicht kategorisierte Website aufrufen, ermittelt ein Algorithmus das Thema anhand des Domainnamens der Website.

Wie funktioniert die Topics API für Werbezwecke?

Websites werden eine Topics API für Werbezwecke nutzen können, und Google plant aktuell Ende des ersten Quartals 2022 mit der Testphase zu beginnen.

 

Angedacht ist Folgendes: Der Browser eines Nutzers wählt nach dem Zufallsprinzip drei Themen aus den fünf Top-Themen der aktuellen Interessenliste des Nutzers aus, und zwar jeweils eines aus den drei Wochen, in denen der Browser Daten speichert.

 

(Weitere Informationen: Technische Informationen zur Topics API)

 

Die Website, auf der die Topics API läuft, kann dann diese drei Themen verwenden und sie mit Werbepartnern teilen, um festzulegen, welche Anzeigen dem Nutzer gezeigt werden sollen. Laut Google können die Nutzer nicht nur ihre Interessenliste bearbeiten, sondern auch die Topics API ganz abschalten.

 

Werbetreibende haben sich bereits besorgt über die Beschränkungen durch Topics geäußert. Google betont jedoch, dass Werbetreibenden weiterhin zusätzliche Signale zur Verfügung stehen werden, um zu entscheiden, welche Anzeigen den Nutzern angezeigt werden sollen. Topics wären hierbei nur eine Option von vielen. So können beispielsweise Daten über die Website, auf der sich Nutzer gerade befinden, wie der Artikel, den sie gerade lesen, zusätzliche Informationen und Kontext liefern.

 

Und wie sieht es mit den anderen Browser-Anbietern aus? Diese hatten sich in der Vergangenheit geweigert FLoC hinzuzufügen. Ob sie die Möglichkeit, die Topics API hinzuzufügen nutzen werden, bleibt abzuwarten. Denn in der Branche gibt es weiterhin Bedenken, dass Topics keine wirklichen Probleme löst oder eine echte Neuerung darstellt, sowie Bedenken bezüglich Googles „Unentschlossenheit“ bei der Ausrichtung in Bezug auf Datenschutz und die entsprechenden Technologien.

 

Da Nutzer, Datenschutzbeauftragte und Werbetreibende Bedenken bezüglich Topics haben, könnte es sein, dass Google in Zukunft Änderungen vornimmt oder einen weiteren Ersatz für Cookies von Drittanbietern vorschlägt.

 

Haben Sie noch Fragen zu Datenschutz und Privatsphäre in Browsern? Wir sind gerne für Sie da. Sprechen Sie noch heute mit einem Experten!

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